
Foto: kanne
(Wild-)Schwein gehabt!
Roverhajk in der Sächsischen Schweiz
Frühmorgens am Hannoveraner Hauptbahnhof. Verschlafen steigen zwei Roverinnen in einen Zug. Mit dem Deutschlandticket in die Sächsische Schweiz ist das Ziel, unterwegs wollen sie noch zwei weitere Rover treffen, dann ist die Gruppe komplett.
Am frühen Nachmittag kommen so vier Rover*innen am Bahnhof in Schmilka an. Dort geht es mit der Fähre, die wegen des starken Winds äußerst experimentelle Wendemanöver hinlegt, ans andere Elbufer und erstmal einkaufen. Schließlich geht es noch mit einem Bus zum Ausgangspunkt der Wanderung und dann immer bergauf. Bereits nach wenigen Metern beginnen einige zu bereuen, doch noch das kleine Extra eingepackt zu haben, aber alle sind wohlauf und freuen sich auf das Wanderwochenende, das vor ihnen liegt. Am ersten Tag werden fast 10 Kilometer und 500 Höhenmeter gemeistert. Dazu gibt es atemberaubende Ausblicke und schnell die Einsicht, dass man nicht alles fotografieren muss, weil wirklich jeder Winkel und jede Weite, in die man schaut, einfach wunderschön ist. Der sandige Untergrund macht es zwar schwerer zu laufen, aber das Ziel ist, immer noch weiter nach oben zu kommen.
Der erste große Anstieg soll auch der steilste des ganzen Wochenendes werden. Die Leitern kleben senkrecht am Felsen und die Rover*innen probieren diverse Techniken aus, wie man sie wohl am besten überwinden kann. Vom Skilauf bis auf allen Vieren und Rückwärts ist alles vertreten. Oben angekommen gibt es die erste Pause mit „Snacktarinen“, dann geht es weiter, den Felsen schweren Herzens jetzt wieder herunter. Zwischendurch werden immer wieder kleine Umwege gelaufen, um nochmal die Aussicht so richtig aufzusaugen, oder auch den ultimativen Fotofelsen für sich zu beanspruchen. Schließlich schauen die Rover*innen steil nach unten. Vor ihnen liegt im wahrsten Sinne des Wortes die Wilde Hölle, das ist nämlich die nächste geplante Stiege. Wildes Gekraxel, gegenseitiges Stützen, Auffangen und Beraten, wo denn jetzt der linke Fuß hinsoll und „wenn du jetzt die rechte Hand da oben hin machst, dann kannst du unter deinem Arm durch den nächsten Haltegriff erkennen“. Manche wagen weite Sprünge, andere rutschen große Steine lieber auf dem Hosenboden herunter. Zwischendurch werden die Rover*innen immer wieder leicht demütig von anderen Wandernden überholt, die bergziegenartig die Schlucht durchqueren, im Gegensatz zu unseren Pfadis aber auch ohne den riesigen Wanderrucksack.
Irgendwann ist dann auch die steilste Schlucht durchwandert und der letzte Stein überstiegen und die Rover*innen sind zurück auf Sandpfaden durch den Wald. Vorbei an einem Wasserfall, der die Ruine eines ehemaligen Wohnhauses durchspült und (unbewusst) über gesperrte Wege an einem Bächlein entlang, schleppen sich die mittlerweile sehr müden Pfadis durch die Abenddämmerung die letzten Kilometer des Tages zu ihrem Schlafplatz. Schließlich sehen sie freudig die Schutzhütte am Ende des Weges. Ein Nachtlager wird errichtet und jede Menge Hotdogs zum Abendessen verputzt.
Der nächste Morgen ist angebrochen. Nur langsam rollen sich die Rover*innen aus den Schlafsäcken und packen ihre Frühstücksutensilien aus. Es gibt Hafermüsli mit Milchpulver und Obst. Danach wird abgebaut und aufgebrochen. Zunächst geht es durch hoch bewachsene Felder mit Ausblick auf das Tagesziel: Ein weiterer Felsen. An einem Berg namens Kuhstall und einer Trinkwasserquelle vorbei geht es immer weiter. Zwischendurch haben drei der vier Pfadis das unterschwellige Gefühl, sich im Wald verlaufen zu haben. Nur ein schwerlich erkennbarer, stark überwachsener Trampelpfad liegt vor ihnen, doch der Kartograph schreitet sicheren Trittes voran, zeigt schließlich nach rechts und meint „da ist doch schonmal jemand gegangen!“. Auf die Anmerkung hin, dass es sich bei der Stelle um einen trockenen Bachlauf handelt, wird erwidert, dass dann eben der Bach da gelaufen ist und die Rover*innen machen sich gemeinsam auf den Weg das Bachbett herunter. Wieder auf Sandwegen gelandet, stapfen die vier dem nächsten Felsen entgegen. Auf grob in den Stein geschlagenen und aus Holzplanken gezimmerten Stufen geht es wieder Meter für Meter in die Höhe. Zwischendurch wird immer wieder schwer atmend stehen geblieben, sich gegenseitig das Leid der schmerzenden Waden geklagt und dann doch wieder weiter nach oben gestiegen.
Schließlich erblicken die Rover*innen mehrere Grüppchen tapferer Wanderer*innen, die zwischen lose verteilten kraxeligen Steinen verteilt sitzen. Die Zeichen sind eindeutig, sie sind oben angekommen! Mittagspause!
Auf dem Felsen gibt es die Möglichkeit, eine steil am Abgrund liegende Felsgrotte zu erkunden. Das lassen sich die tapferen Pfadis natürlich nicht zweimal sagen und klettern je zu zweit in die Grotte hinein. Die Aussicht von dort ist atemberaubend, weit in der Ferne können sie das Dorf liegen sehen, an dem sie am Morgen vorbeigelaufen sind und gegenüber winken andere Wanderleute von der Felskante herüber.
Schließlich packen die vier Pfadis wieder ihre Rucksäcke und brechen auf. Wieder geht es über teils wackelige Steine oder definitiv nicht genormte Treppen nun auf der anderen Seite des Felsmassivs nach unten. Immer weiter geht es durch enge Spalten oder an einem durch die Pfadis zum ultimativen Fotofelsen ernannten Stein vorbei. Den Tagesabschluss bietet ein wildes Labyrinth aus Treppen, Leitern oder kleinen Felsvorsprüngen mit Haltegriffen oder -seilen und jeder Menge Stau auf der Strecke, bis sie schließlich wieder festen Boden und deutlich weniger Höhenmeter unter den Füßen haben. Müdigkeit, Hunger und nun einsetzender Regen dämmen die Freude darüber jedoch etwas ein. Die Suche nach einem Schlafplatz beginnt jetzt und sieht erstmal ziemlich hoffnungslos aus. Über eine halbe Stunde suchen sie die Umgebung in alle Richtungen ab, bis sie schließlich eine trockene Stelle unter einem Felsvorsprung entdecken, die sich als perfektes Nachtlager anbietet. Sie spannen noch eine Plane auf, damit der Regen auf keiner Seite an sie herankommt, was jedoch durch den weichen Boden und die vergessenen Heringe einige Herausforderungen mit sich bringt. Dennoch können die Seile mit einiger Bastelei an einem Baumstumpf, zwei kleinen Bäumen und einem ziemlich großen Stein befestigt werden. Fehlt nur noch das Abendessen. Es soll Gemüsereis geben, es beginnt also das gemeinsame Geschnippel. Während dann das Essen kocht, werden schonmal die Schlafplätze eingerichtet und die vier müden, nassen und frierenden Pfadis lümmeln sich in ihre Schlafsäcke, um zu essen. Dass das Gericht zwar eher Reissuppe mit Gemüse und sehr, ich meine sehr, viel Pfeffer ist, stört die vier gar nicht. Die Schärfe des Ganzen hilft ja auch irgendwie beim Warmwerden.
Nach sporadischem Aufräumen gehen sie alle, jetzt wieder mit sehr guter Stimmung, schlafen.
Am nächsten Morgen bietet sich den Pfadis dann eine beeindruckende Aussicht. Sie haben sich ihren Schlafplatz in einem Tal gesucht, an dem oben an den Klippen einige wunderschöne Stelzenhäuser stehen, die so auf sie herabschauen. Nach einigem Staunen packen die Rover*innen dann also etwas wehmütig, weil es ja jetzt wieder nach Hause geht, ihre Sachen zusammen. Auf zur vorher ausgekundschafteten Bushaltestelle. Dort wollen sie frühstücken und hoffen, die bereits einmal gesehenen Rehe dort wiederzuentdecken. An der Bushaltestelle angekommen, regt sich auf der anderen Straßenseite tatsächlich etwas im Gebüsch. Unsere vier Pfadis schauen gespannt, doch können sie kein Tier erkennen. Friedlich und nichtsahnend schnabulieren sie Birnen, Brot und Käse, als plötzlich ein Tier aus dem Gebüsch hervorbricht. Ein Reh! Denken alle, aber nein, ein Wildschwein! Und nicht nur eins, dahinter kommen gleich noch ein paar Frischlinge aus dem dichten Wald gelaufen. Sehr zum Glück unserer Pfadis dreht die Gruppe Wildschweine aber in eine andere Richtung ab und verschwindet einige Meter weiter wieder im Wald. Erleichtert atmen unsere Rover*innen auf. Gerade nochmal gut gegangen…
Dann kommt auch schon der Bus, der die vier über sämtliche Dörfer der Umgebung zurück nach Schmilka fährt. Dort angekommen müssen sie sich wegen einiger Verspätung des Busses dann auch gleich nochmal richtig anstrengen und ein paar Hundert Meter zur Fähre rennen, da der Bahnhof leider immer noch auf der anderen Elbseite liegt. Schließlich haben sie es alle geschafft, der Zug steht schon, drinnen ist es warm und trocken. Nach kurzer Verschnaufpause beginnen die vier, Schicht um Schicht Klamotten abzupellen und sich auf die Suche nach sämtlichen Hygieneutensilien zu machen. Nach mehreren längeren Trips durch den Zug zu sämtlichen Toiletten fühlen sie sich dann auch wieder bereit für die Zivilisation. Kaum sitzen alle wieder auf ihren Plätzen, fährt der Zug los, es geht nach Hause.
Die verschiedenen Streckenänderungen, Verspätungen, die dann doch keine waren und Sprints über fremde Bahnhöfe werden an dieser Stelle aus Textlängengründen ausgelassen.
Fazit: Sehr müde und mit viel Muskelkater sind unsere vier tapferen Roverinnen und Rover Jan, Juri, Vero und Kanne nach diesem ereignisreichen Wochenende alle wieder zuhause angekommen. Die Stimmung war allgemein großartig, die Ausblicke atemberaubend (hatte ich das schonmal erwähnt?) und das Essen mehr als ausreichend. Die Sächsische Schweiz bleibt für sie alle mit Sicherheit ein Sehnsuchtsort.
Ein Artikel von kanne








