
Scatten, schallern und phrasieren
... und was wir auf dem 2. Singekreiswochenende noch so gemacht haben
Das zweite Wochenende des immer noch namenslosen BPS-Singekreises führte neun sangesfreudige Pfadis der BPS diesmal weit nach Osten, genauer gesagt nach Dresden in das Stammesheim der Goldenen Reiter. Hier konnten wir erleben, wie es sich anfühlt, quasi im Schaufenster zu Abend zu essen (Gesprächsthema: Wie gut wären wir geeignet, in einer Firma im Einkauf zu arbeiten? Fazit: sehr schlecht). Vor allem aber konnten wir hier das tun, was wir am liebsten tun: Zusammen singen und musizieren. Und das höchst gemütlich im Schein flackender Kerzen in einem Raum voller Liederbücher und Gitarren.
Nach langem Schlaf ging es mit einem späten Frühstück und leckeren Brötchen weiter (Gesprächsthema: Wie viele Punkte auf einer Nützlichkeits-Skala von 1 bis 10 gibst du dir mit deinem Studiums-/Ausbildungs-/Berufshintergrund in einem Weltuntergangsszenario? Fazit: Bis auf Aaron irgendwas zwischen 0 und 2). Nach dem Frühstück verspürten wir alle das große Bedürfnis, auf Finnisch zu singen. Dier erste Strophe von Taivas on sininen meisterten wir noch problemlos, die zweite - noch nie geprobte - endete hingegen in einem Desaster: Wohin nur mit diesen Silben? Nach dem Scheitern an diesem kurzen, eher gemächlichen finnsichen Lied gab es für uns nur eine Option: mit einem sehr langen, sehr schnellen finnischen Lied weiterzumachen. Ella versuchte uns mit rhytmischen Sprechübungen in die Lage zu versetzen, Ievan Polkka zumindest annähernd im Originaltempo zu singen und das Ergebnis war trotz tyttöösä und huijjutti durchaus passabel, auch wenn wir nach drei Strophen und mehreren Knoten im Hirn zu einem vorläufigen Stopp kamen.
In einem von Lotte fast gar nicht zu ihren Gunsten beinflussten Schnick Schnack Schnuck-Triell bzw. -Duell wurde das Mittagessen festgelegt, das allen vorzüglich mundete (Gesprächsthema: Wo liegt Tronitz, wie kommen wir dahin und wie wieder weg? Fazit: Im Nichts und mit einer Kombi aus Auto und Bahn). Nachdem wir Finnisch so gut gemeistert hatten, machten wir nach dem Essen direkt weiter mit einer uns allen nicht geläufigen Sprache und lernten ein mehrstimmiges georgisches Hochzeitslied, was erstaunlich gut funktionierte. Wir waren alle höchsterfreut und bereit, in ein in vielerlei Hinsicht unbekanntes Gebiet aufzubrechen, sowohl geographisch als auch inhaltlich.
Wir waren nämlich im bereits erwähnten Tronitz zu einer Heimgehe eingeladen - so nennt man die Heimkehr eines Wandergesellen von der mehrjährigen Wanderschaft. Obwohl nur zwei von uns den Heimkehrenden überhaupt kannten, waren wir alle eingeladen, um kräftig beim Schallern (Wandergesellisch für "singen") zu unterstützen. Natürlich wurden wir auch kulinarisch versorgt, konnten der Umkluftung beiwohnen und wurden vom Lagerfeuer (gefüttert mit Brennholz zweifelhafter Herkunft) gewärmt. Unsere Singerunde, bereits ausgestattet mit drei Gitarren, Kontrabass und Trompete, erweiterten einige andere Sängerinnen und Sänger sowie aus dem Nichts und passend zum Lied auch eine Ziehharmonika und - allerdings zu spät für das Lied - eine Fidel. Unser Liedgut hatte zum Glück ausreichend Überschneidungen, um gemeinsam die recht kalte Nacht mit Gesang zu erfüllen.
Am nächsten Morgen wurden ausgiebig Pfannkuchen geschlemmt (Gesprächsthema: leider nicht in Erinnerung geblieben, die Autorin dieser Zeilen war zu sehr damit beschäftigt, die im Gesicht verschmierte Menge an Apfelmus möglichst gering zu halten), bevor wir uns der letzten Singerunde des Wochenendes widmeten. Es gab einfach zu viele Lieder, die wir noch sehr dringend vor dem Abschluss singen mussten. Und natürlich galt es, die Zukunft des Singekreises zu besprechen. Wo wird uns nach Straßenmusik und Heimgehe das dritte Singekreis-Wochenende hinführen? Vielleicht auf die Bühne eines Singewettstreits? Es bleibt spannend!
Was werden wir mitnehmen vom Wochenende? Neue Sprachkenntnisse, neues Wissen über die Wanderschaft, neue Lieder, übriggebliebene Essensreste, ein Buch, Lagerfeuerrauch in unseren Kleidern, Schlafmangel, überschüssige Doppel-Vokale und -Konsonanten und natürlich: jede Menge Ohrwürmer. Um kurz vor zwei war es Zeit für unseren Abschied im Herbstwind. Möge auch die Zukunft in Finsternis liegen: Wir freuen uns schon auf das Wiedersehen und Weitersingen!
PS: Wir bitten die magere Bebilderung dieser Zeilen zu entschuldigen. In Abwesenheit unserer Social media-Schriftführungs-Bundesstreicherin hat leider niemand für eine anständige Bilddokumentation gesorgt.


