Foto: Marten Becker

Jetzt gibt’s das:

Eine wundervolle Fahrt durch Rumänien – Erzählt in 11 Wundern.

Elf junge Erwachsene zog es Mitte August in die Ferne gen Osten: Rumänien hieß das hehre Ziel. Eine lange Bahnfahrt lag vor ihnen – und ein unangekündigter Bahnstreik. Und dennoch erreichten sie den Zielort Baia Mare, Start ihres Hajks, wie vorgesehen (wenn auch etwas müde). Ein Wunder.

Sie zogen aus, um zehn Nächte in der Wildnis zu verbringen. Unter sich die Karpaten. Über sich den überwältigenden Nachthimmel. Dass dieser sich jede Nacht aufs Neue wolkenlos und sternenklar, von funkelnden Sternschnuppen durchzogen präsentieren würde, hatten sie nicht geahnt. Welch ein Wunder.

 

Foto: Martin Steuer

Foto: Martin Steuer

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Wenn sie eines konnten, dann war es, neunmalkluge Sprüche zu klopfen und sich dabei zu zelebrerieren. Very good – but disgusting, wie man meinen könnte. Dass aus dieser Fahrtengruppe eine echte Gemeinschaft in enger Verbundenheit wurde, lässt sich nicht mit Geld aufwiegen. Nicht einmal mit mehreren Tausend Lei. Eben ein Wunder.

Sie lernten, nicht nur aufeinander achtzugeben, sondern auch auf die wilden Tiere um sie herum. Gegen unberechenbare Bären in den Wäldern wurde beschlossen, in Schichten Nachtwache zu schieben. Knackendes Unterholz und tierisches Fauchen, das sich im Dunkel des Dickichts verlor, blieben letztlich die bedrohlichsten Begegnungen der Nächte. Ein Wunder.

Foto: Felix Rausch

Foto: Martin Steuer

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Während die Wildnis zum Greifen nahe war, rückten andere Dinge in weite Ferne – etwa jeglicher Gedanke an Sieben-Tage-Inzidenzen und Impfneid. In der unendlichen Weite der Hügel und Bergketten durften sie alle Masken fallen lassen und atmen als wäre es 2019. Welch ein Wunder.

Der Klang sechssaitiger Instrumente begleitete die Fahrt. Ob in vollen Zügen oder am Check-In-Schalter. Ob beim Wandern mit schwerem Gepäck oder rund ums Lagerfeuer. Oder auch beim Lobpreisabend einer rumänischen Baptisten-Gemeindefreizeit, zu dem die Fahrtengruppe spontan eingeladen wurde. Ein Wunder.

Foto: Felix Rausch

Foto: Martin Steuer

Foto: Felix Rausch

Als noch größerer Segen erwiesen sich die Angestellten des Hotels, in dem die Freizeit stattfand: Sie boten den fußmüden Wandersleuten für die regenreiche Nacht kurzerhand einen leeren Seminarraum zur Übernachtung an. Endlich konnten sie einmal alle Fünfe grade sein lassen und erlebten ein großes Wunder.

Vor lästigen Vierbeinern waren sie somit in jener Nacht geschützt, doch in vielen anderen Momenten war das Aufeinandertreffen mit aufdringlich-agressiven Straßenhunden unvermeidbar. Dass sie diese letztlich immer abschütteln konnten und ohne Blessuren davonkamen war nichts geringeres als ein Wunder.

Foto: Marten Becker

Foto: Marten Becker

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Davon abgesehen waren die Tage geprägt von der Suche nach dem roten Dreieck. Denn rumänische Wanderwegmarkierungen und die Personen, die sie anbringen, folgen merkwürdigen Gesetzmäßigkeiten. Dass die Fahrtengemeinschaft kaum je vom beabsichtigten Weg abkam, grenzt an ein Wunder.

Rechts und links des Weges auf dem sie ihrem Ziele zu zogen, bogen sich zahllose Zweige unter ihrer Last aus Himbeeren, Brombeeren, Blaubeeren. Ganze Berge davon landeten in den Mägen der Wandersleute und ergänzten die Hajk-Kost um ein weiteres Wunder.

Foto: Marten Becker

Foto: Marten Becker

Foto: Marten Becker

Thematisch stand die Fahrt – wen wundert’s? – übrigens unter dem Begriff „Wunderlich“. Vollen Einsatz steckten alle darein, sich über sich selbst und die Mitwandernden zu wundern. Zusammen mit den zahllosen Wundern entlang des Weges war es eine wahrlich wundervolle Fahrt! – Man vermisst sich jetzt schon und das Nachtreffen ist bereits geplant. Kein Wunder.

Foto: Marten Becker

Foto: Martin Steuer

Foto: Martin Steuer

Ein Artikel von Marten Becker