Die Baptistische Pfadfinderschaft (BPS) entstand im Jahr 1986

Wie kam es dazu?

Die Teilnehmer einer Jungschargruppe der Baptistengemeinde Reutlingen unter Leitung von Niels Rusch wollten über das Jungscharalter hinaus zusammenbleiben. Es entstand zunächst eine sogenannte “Fahrtengruppe”. Gemeinsame Überlegungen mit der Jungschar in der Baptistengemeinde Stuttgart-Zuffenhausen (Leiter: garf (Kai S. Dorra)) führten im Februar 1986 zu der Entscheidung, die Baptistische Pfadfinderschaft zu gründen.

Zunächst beschränkte sich die Pfadfinderarbeit auf das Alter ab 14 Jahren, doch bald entstanden auch Kleingruppen für die anderen Altersstufen.

Baptistische Pfadfindergeschichte entdeckt

Die Suche nach pfadfinderischen Traditionen ließ die BPS ein Stück baptistischer Pfadfinder-Geschichte wiederentdecken: Schon im Jahr 1932 wurde von dem Gelsenkirchener Baptistenprediger Karl August Hahne eine “Baptistische Pfadfinderschaft” gegründet. Die Wurzeln dieser Arbeit waren der Baptistischen Jugendbund (BJB) und die Arbeit des CVJM.

Nach starkem Wachstum mussten die Pfadfinder 1934 ihren Bund selbst auflösen, um die per Gesetz verordnete Eingliederung der Pfadfinder in die Hitler-Jugend (HJ) zu verhindern. Heimlich wurde die Arbeit jedoch so lange weitergeführt, bis der Krieg ihr ein vorläufiges Ende setzte.

Ab 1948 entstanden an verschiedenen Orten wieder baptistische Pfadfindergruppen, die sich 1958 zur Ringgemeinschaft freikirchlicher Pfadfinder (RFP) innerhalb der Christlichen Pfadfinderschaft (CP) zusammenschlossen. In dieser Zeit nahm die RFP an vielen internationalen Lagern in Europa teil.

Parallel dazu wurde ab 1953 vom Gemeindejugendwerk (GJW) eine Jungmannenarbeit aufgebaut. Bestrebungen von außen, die Pfadfinder in diese Jungmannenarbeit einzugliedern, führten ab 1962 zur Zersplitterung und Ende der 60er Jahre schließlich zur Auflösung der Ringgemeinschaft. In den Folgejahren gab es in Deutschland keine baptistische Pfadfinderarbeit, wohl aber z.B. in Dänemark, Norwegen und Schweden - Länder, in denen diese Form der Gemeindejugendarbeit traditionsgemäß stark verbreitet ist und zu denen von Seiten der ehemaligen BPS intensive Kontakte bestanden.

Heute sind die Begegnungen mit den Altpfadfindern der früheren Baptistischen Pfadfinderschaft zu einer wichtigen Quelle und Hilfe für die Arbeit der BPS geworden.

Die Kontakte zu anderen baptistischen Pfadfindern wurden wiederbelebt: Im Sommer 1987 nahmen 15 BPSler am „Nordisk TROMOY Baptistspeiderleir“ auf der Insel Tromoy in Norwegen teil. Gerne waren sie der Einladung der norwegischen baptistischen Pfadfinder gefolgt und erlebten zusammen mit 1500 anderen baptistischen Pfadfindern aus Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland das Lager.

15 BPSler beim „Nordisk TROMOY Baptistspeiderleir“ auf der Insel Tromoy in Norwegen.
Foto: BPS-Archiv

Dort entstand auch ein guter und fruchtbarer Kontakt zu baptistischen Pfadfindergruppen in Schweden und Dänemark. Gemeinsame Lager in Deutschland und Skandinavien waren die Folge.

Freikirchliche Pfadfindergeschichte geschrieben

Gruppenbild beim Bundeslager 1998.
Foto: BPS Archiv

Die BPS entstand als typische Basisbewegung aus den genannten Baptistengemeinden. Seit Mai 1995 ist die Baptistische Pfadfinderschaft auch im Gemeindejugendwerk (GJW) des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland K.d.ö.R. vertreten. Zunächst hatte die BPS den Status einer Projektgruppe. Seit März 2004 stellt sie eine von insgesamt drei Abteilungen dar.

Im Jahr 1998 öffnete sich die BPS für freikirchliche Gemeinden, welche nicht der Baptistenbewegung angehörten. Nach und nach traten verschiedene evangelische Freikirchen (Einzelgemeinden) dem Pfadfinderbund bei.

Die gute Arbeit der BPS und das unproblematische Miteinander von Baptisten und anderen Freikirchlern führte in der Folge zu Gesprächen mit dem Bund Freier evangelischer Gemeinden (BFeG). Im Oktober 2000 stimmte das Bundesthing (die Bundesversammlung) der BPS einer offiziellen Kooperation mit dem Bund Freier evangelischer Gemeinden K.d.ö.R. zu. In den folgenden Jahren entstanden auch im Gemeindebund der FeG etliche Pfadfindersiedlungen.

Diese Kooperation wurde auf Wunsch des Bundes Freier evangelischer Gemeinden 2009 beendet. Ein neuer Pfadfinderbund – die Pfadfinderschaft der Freien evangelischen Gemeinden (PdF) – entstand daraus. Dennoch gibt es auch weiterhin BPS-Stämme, die zu einer Freien evangelischen Gemeinde gehören.

Aktueller Stand

Derzeit gibt es ca. 1400 Pfadfinder in der BPS. Diese kommen aus knapp 45 Stämmen und Siedlungen von Baptistengemeinden und anderen evangelischen Freikirchen.

Diese Offenheit zum geschwisterlichen Miteinander und zum Leben des Pfadfindergedankens findet seinen Ausdruck im Selbstverständnis als “Freikirchliche Pfadfinder”.

(Stand 2017)